Lust auf ein Japan abseits der ausgetretenen Pfade? Steuern Sie Setouchi an, eine geheime Region, in der Denim gefertigt wird, wo man das Washi-Papier streichelt und Terrakotta im Holzfeuer formt. Zwischen Binnenmeer und Bergen, eine Reise für alle fünf Sinne... und für Ihren Koffer voller Erinnerungen.
Eine Kulisse zwischen Meer und Bergen, fernab der Megastädte.
Erste Überraschung: Setouchi ist keine Stadt, sondern ein Mosaik aus sieben Präfekturen, das sich über 450 km um das Seto-Binnenmeer erstreckt. Man wechselt von einer Insel mit Olivenbäumen zu einer Ebene mit Reisfeldern und dann zu einem Gewirr von Hügeln, die mit Mandarinenbäumen bedeckt sind. Das Ergebnis? Ein noch unauffälliger Tourismus: 3,8 Millionen ausländische Besucher im Jahr 2024, also zehnmal weniger als Tokio (Quelle JNTO). Perfekt für diejenigen, die gerne ohne Gedränge schlendern.
Kojima: die Straße, in der die Jeans atmen (und Patina bekommen)
Hier atmet man Indigo. Vom salzigen Boden seines Landes vom Reis beraubt, tröstete sich das kleine Städtchen Kojima seit der Edo-Zeit mit Baumwolle, bevor es in den 1960er Jahren die japanische Jeans erfand. Das Ergebnis heute: Kojima Jeans Street, 400 m bewaldete Geschäfte, nachtbllaue Wimpel im Wind, alte Webstühle, die noch hämmern. Man hält bei Momotaro an, um einen rohen 18 oz zu berühren, dann bei KOJIMA GENES, das ein solides Selvedge zu einem günstigen Preis verspricht. Abends schläft man im DENIM HOSTEL float: Blick auf das Meer, Vorhänge in der Wanne gefärbt, sogar die Kleiderbügel tragen ein Etikett aus 100 % Baumwolle...
Ozu-Washi: Wenn der Maulbeerbaum zu Samt wird
Kurs auf die Insel Shikoku, Stadt Uchiko. In der Werkstatt Tenjin Sanshi taucht man die Hände in den weißen Maulbeerbrei: Das Washi Ozu-Papier entsteht in wenigen fließenden Bewegungen, die seit vier Jahrhunderten wiederholt werden. Die Zahlen sprechen für sich: Ein einziger Handwerker kann kaum 300 Blätter pro Tag produzieren, gegenüber 10.000 auf einer modernen Maschine. Dennoch nimmt die Nachfrage nicht ab; der Weltmarkt für Künstlerpapier ist im Jahr 2025 um weitere 4,5 % gewachsen. Hier fertigt man die Blätter für die riesigen Drachen, die jeden Mai gestartet werden, repariert die Sh?ji der Ryokans... und geht mit einem Notizbuch nach Hause, das nach trockenem Gras duftet.
Udatsu-Straße: Edo-Architektur, Startup-Geist
In Wakimachi (Präfektur Tokushima) schmücken die Kaufmannshäuser ihre Udatsu — diese hohen feuerfesten Giebel, die als soziales Aushängeschild dienten. Lange Zeit schlief die Straße. Dann eröffneten die Bewohner Cafés, Werkstätten, Galerien. Ergebnis: 20 neue kreative Unternehmen seit 2018, laut dem städtischen Büro. Man genießt einen Filterkaffee und beobachtet das Awa-ai-Färben: getrocknete, fermentierte Indigoblätter, dann ein weißer Schal, der grün getaucht wird und an der Luft blau wird. Ein kleines chemisches Wunder... und eine große Erinnerung zum Mitnehmen.
Indigo Awa-ai: das Blau, das angebaut wird (und das hält)
Die Präfektur Tokushima produzierte Ende des 19. Jahrhunderts 4.000 Tonnen Indigo; heute sind es nur noch 1 %. Dennoch erlebt die Branche eine Wiedergeburt: Direktverkäufe, partizipative Workshops, Aufträge von Pariser Designern auf der Suche nach natürlichen Pigmenten. Im Udatsu Studio of Yamauchi versucht man sich an der Technik:
- Vorbereitung der Tonbehälter
- Eintauchen des Stoffes
- Oxidation an der Luft
Die Farbe wechselt von Smaragdgrün zu Mitternachtsblau. (Man kommt mit gefärbten Händen heraus, aber glücklich.)
Bizen-yaki: Erde, Feuer, Zufall
Richtung Imbe, die Wiege der Bizen-yaki-Keramik. Kein Email, keine Glasur: nur ein tonreiches Eisenoxid, das zehn Tage in einem Holzofen gebrannt wird. Jedes Stück kommt marmoriert in Rot, Braun, Schwarz heraus — zufällige Abdrücke der Flammen. Zahlenliebhaber werden es zu schätzen wissen: Der Export von Bizen-yaki ist 2024 um 12 % gestiegen, getragen vom Trend des wabi-sabi in der westlichen Dekoration. Vor Ort dreht man seine eigene Schale (Vorsicht, es ist schwieriger, als es aussieht), man holt sie ab... drei Monate später, zur nächsten Brennzeit.
Fukuoka Shoyu Gallery: Soja als Kunstfeld
Eine ehemalige Sojasaucenbrauerei, die in eine Galerie umgewandelt wurde? Ja, das ist in Okayama möglich. Die Fukuoka Shoyu Gallery erzählt von der Fermentation – 18 Monate in Zedernfässern – und zeigt dann Künstler, die Fässer, Bakterien und Düfte zweckentfremden. Eine köstlich jodhaltige Atmosphäre. (Man kann sogar eine Jahrgangsflasche kaufen, perfekt, um Ihr Tamago Kake Gohan zu Hause zu verfeinern.)
NISHIGAWA TERRASSE: Slow Life am Wasserlauf
Rechtes Ufer, Boden aus Zedernlatten; linkes Ufer, Girlanden aus Laternen. NISHIGAWA TERRACE bringt frischen Wind ins Zentrum von Okayama. Laut der Stadtverwaltung hat sich der Fahrrad- und Fußgängerverkehr seit der Umgestaltung 2022 verdoppelt. Man picknickt, arbeitet im Homeoffice, besucht ein Mini-Konzert... kurz gesagt, man lebt das tägliche ikigai. Und das kostenlos.
Warum zieht Setouchi französische Reisende an?
Der französische Markt liebt Authentizität: 62 % der Franzosen geben an, „handwerkliche Erlebnisse“ auf Reisen zu suchen (Barometer Atout France 2025). Setouchi erfüllt alle Kriterien: Nähe zu Osaka (1 Stunde mit dem Shinkansen), kontrolliertes Budget (eine Premium-Jeans: 180 € im Vergleich zu 280 € in Tokio) und einfache Begegnungen — viele Werkstätten bieten Führungen auf Englisch oder einfach in Gebärdensprache an.
Praktische Informationen & Wichtige Hinweise
Anreise: Flüge Paris, Osaka ab 650 €, dann JR Pass bis Okayama.Fortbewegung: ein Elektrofahrrad mieten (1.000 ¥ pro Tag) oder die lokalen Busse nutzen.Nota Bene: Die Bezeichnung "Selvedge-Denim" steht für eine Webkante, die ein Ausfransen verhindert; wabi-sabi feiert die Schönheit der Unvollkommenheit; der berücksichtigte Wechselkurs liegt bei etwa 1 € = 175 ¥ (November 2025).